Unvergessliche Erinnerungen und Bilder aus Mexiko – dem Surferparadies mit grandiosen Wellen und wunderschönen Landschaften!

Ein sehr aufregender Erfahrungsbericht vom passionierten Kölner Surfer und Buch-Autor Andreas Brendt!

„… es ist das Leben von denjenigen am meisten wert, die den Tod am wenigsten fürchten. Ich hab mich zuweilen gefürchtet, aber ohne Furcht kann es keinen Mut geben!“

naturschauspiel-regenbogen-mexiko-foto

So könnte ich die folgende Geschichte theatralisch beginnen. vielleicht etwas zu hochtragend, aber die „Fakten sind nicht schlecht“. Mittlerweile fühlen wir uns pudelwohl, dank Ganja unserem Wachhund und den perfekten wie einsamen Wellen hier irgendwo in Mexico. Jetzt aber von Anfang an:

Köln, Donnerstag, 2. Juli, 6.30: 3 Std. nach Altengronau zu Privot, meinem Gefährten, 2 Std. zum Flughafen, 2 Std. Warten, 11 Std. Flug, 1 Std. Flughafen Mexico City, wo Henry zu uns stößt, 1 Std. Busbahnhof, 11 Std. Reisebus nach Colima, 1 Std. Bus nach Tecoman und es trennen uns nur noch wenige Kilometer von den Weltklassewellen von La Ticla und Rio Nexpa in Michoacan Mexico.

Nervöse Vorfreude: Gleich geht´s ins Wasser! Surfen, mit den Wellen ringen und dem Pazifik spielen! Dann der Supergau: es fährt kein Bus die Küste runter, weil es irgendein Problem gibt. Taxi?
Wir fragen herum, quatschen mit allen möglichen Leuten und kriegen die widersprüchlichsten Aussagen über eine Auseinandersetzung, ein altes Problem mit neuer Brisanz. Also erstmal in die Nähe nach San Juan de Alima. Ein recht mäßiger Beachbreak, an dem ich einen merkwürdigen alten Ami namens Dave kennen lerne. Der Typ ist ne Story für sich, aber ich muss mich hier kurz fassen.

Ich werde wahnsinnig, der neue Swell ist angekommen: 8 Fuß, 16 Sekunden Periode und nur 15 km von einem perfekten Point entfernt – aber kein Hinkommen! Der reinste Albtraum. Was ist eigentlich los? Eine einheimische Bevölkerungsgruppe hat die Küstenregion besetzt. Es geht um Landrechte. Dazu sind Sympathisanten aus dem ganzen Land gekommen. Zusätzlich wurden die Zapatisten, revolutionäre Guerillakämpfer aus der Grenzregion Mexico-Guatemala, angefordert..
Egal, ich halt´s nicht mehr aus! Wir packen unser Zeug und fahren am nächsten Morgen los…

In dem Ort La Placita steuern wir um eine erste Blockade aus Stämmen und Sandsäcken, um wenig später auf einen Posten maskierter bewaffneter Zapatisten zu treffen. Die machen uns mit gezückten Knarren und nervöser Gestik sehr deutlich, dass hier kein Durchkommen ist.

aufnahme-buergerkrieg-mexiko-militaerkonvoi

Ich bin heilfroh, dass unser durchgeknallter Fahrer (Dave), Ruhe bewahren kann. Umkehr und Schock verdauen. Spannung liegt in der Luft. Die Sache scheint ernst zu sein. Ich spreche mit verschiedenen Leuten und suche nach Möglichkeiten, weil wir trotzdem irgendwie zu der Welle durchkommen müssen. Letztendlich will ich mit Carlos (einem ultra-sympathischen Mexicaner, der mit seiner Freundin Amy ein Jahr die besten Wellen Mexicos surfen mag und La Ticla wie seine Westentasche kennt) ein Boot zu organisieren, um in La Ticla die Lage vor Ort einschätzen zu können. Etwas aufwendig, aber die Aussicht auf perfekte Wellen lässt mein Herz höher schlagen. Dann Berichte von den ersten angeschossenen Personen (zwei Fischer!, Kopf- und Bauchschuss) und auch noch Booten, die den Seeweg abriegeln.

Ich mache mir tatsächlich über die Reichweite von Gewehren Gedanken – im Urlaub! Morgens um 7.00 Uhr diskutiere ich mit Carlos und José, dem Captain, den Boatride. Wir entscheiden zu warten, weil José keinen Bock hat, womöglich den ganzen Tag mit nem Gewehrlauf an der Stirn zu verbringen… Also wieder nichts! Ratlosigkeit und Erleichterung mischen sich mit dem ultimativen Surfer-Traum: Perfekte wellen, ganz allein, am Ende der Welt. Gibt es Routen durch das Gebirge oder um das Gebiet herum? Ich bin bereit, nochmal einen ganzen Tag im Auto/Bus zu verbringen, werde aber vor einem großen Fehler bewahrt, als ich höre, dass auch die anderen Zufahrtswege rigoros militärisch besetzt sind. Das Trauerspiel geht weiter. Sonntag, es finden Wahlen statt. Die Regierung soll Truppen schicken, nicht zuletzt, da die „Freiheitskämpfer“ die Hauptverkehrsader, die MEX 200, abgeschnitten haben. Ist das nun „Protest-Aktion“ oder „Bürgerkrieg“? Wir spaßen herum, aber ich kann die enorme Anspannung in mir nicht leugnen. Keiner weiß, was los ist!! Ich laufe alle paar Stunden an die Straße und versuche an Informationen zu kommen. Dann erscheinen 7 Jeeps mit bis an die Zähne bewaffneter Black Police (Carlos erklärt mir später, dass das die richtig harten Jungs sind, so ne Art Antiterrorkommando). Ich frage beim vorbeifahren, wie es aussieht, worauf mir einer zuruft: Die Straße ist offen! Ich trommele Carlos, seine Freundin und Dave zusammen. Krisensitzung. Carlos will unbedingt nach La Ticla, ich nach Rio Nexpa, weil´s weiter vom Zentrum des Konflikts entfernt ist. Wir diskutieren Risiken, Abenteuerlust, Swellforecast und entscheiden: Jetzt oder nie. Wir treffen, uns in 1,5 Std., um nach La Ticla zu fahren, die Lage zu checken und ggf. weiter in den Süden zu düsen. Ich informiere Privot und Henry:

Das Surf-Abenteuer steht bevor, jeder muss jetzt selbst entscheiden, ob er mitkommen will. Ich fühle mich verantwortlich und will bloß keinen in Gefahr bringen – ist das eigentlich richtig gefährlich jetzt? Als es losgeht, wollen Carlos und Amy nicht mehr mit. Wieso schwenken die beiden plötzlich um? Ich kriege wieder dieses Gefühl, Eins von der richtig schlechten Sorte und frage mich ständig, ob ich auf meinen Instinkt hören soll, und das ganze einfach abblase oder den inneren Schweinehund bekämpfen muss. Wir fahren los und werden wieder angehalten.. Scheiße! Aber es soll gleich weiter gehen und ich sehe auch keine bewaffneten Zapatisten mehr. Die Regierung hat Geld versprochen. Wir kommen nach La Ticla durch und entschließen zu bleiben. Ums abzukürzen: hier sind wir jetzt seit 5 Tagen. Die einzigen Surfer, keine Touristen und selbst die Einheimischen haben den Ort größtenteils verlassen. Das Dorf wirkt wie ausgestorben. Man trifft kaum Leute, der Supermarkt leert sich mangels Nachschub, und die Restaurants sind alle geschlossen…

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Nein (!!!) – schon nach wenigen Stunden werden die Militärcamps und Blockaden wieder besetzt. Die Kämpfe gehen weiter. Nur, wir stecken jetzt mitten drin – irre! Gestern beim Frühstück hat der Kellner zwischendurch ein Sturmgewehr rausgegeben. Ein Waffenlager des Widerstands befindet sich also in der Küche unserer Unterkunft 🙂

Die paar Leute hier sind nett und uns geht es rundum gut, besonders wegen dem, weshalb wir gekommen sind: Die Wellen. 2,5 Meter Sets, endlos lange Walls umgeben von dem schönsten Tropenpanorama dieser Erde. Zu Dritt in glacy Surf, feuerrotem Himmel, wunderschönen, menschenleeren Peaks, Palmenhügeln und golden schimmernenden Sonnenaufgängen. Wir leben den ultimativen Surfertraum. Privot surft die beste Welle seines Lebens und die Zweitbeste und Drittbeste und ist total aus dem Häuschen. Henry genauso. Ich kann nicht glauben, dass wir in eine Szenerie gelandet sind, die schon seit Jahrzenten ausgestorben ist. La Ticla´s Wellen ohne Menschen, also wenn niemand von dem Wunder vor unserer Tür Bescheid wüsste:

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Wir sind stoked. Haben alle über hundert Wellen gesurft und sind völlig fertig.. und glücklich! Jeden Tag genießen wir jubelnd unsere „glacy Bombs“ von good old La Ticla. Ja, wir sind im Paradies!

Und im Bürgerkrieg? Die Straße war nur zwei Stunden offen (letzten Montag), und dann sofort wieder dicht. Hier kommt keiner rein, weder Einheimische noch irgendwelche Surfer. Wir kriegen davon nichts mit, außer einem Hauch der guten alten Zeit, bevor La Ticla entdeckt wurde. Gestern hat mir eine ältere Frau erzählt, wie wunderbar die Unterstützung aus vielen Teilen Mexicos ist, und dass es eine Menge Kämpfe gab. Aber hier kämpfen Mexikaner gegen Mexikaner, keine Gefahr für uns. Ich hoffe, sie hat Recht und, dass uns der nächste Morgen noch einmal mit diesem unfassbaren Traum von tropischer Wellenperfektion fernab der Welt verwöhnt. Mit jeder Welle verschwinden die Sorgen und es bleibt nichts als Glück. Schon wieder theatralisch. Ich glaube, es ist Zeit aufzuhören…

Nach ca. 3 Wochen schien der Konflikt beigelegt. Gerüchten zu Folge gab es 30 Tote und sonst ein paar unschöne Geschichten, von denen die Jungs aber eigentlich gar nichts mitbekommen haben. Im Gegenteil, sie haben die Mexikaner und ihre Gastfreundschaft lieben gelernt und eine unvergessliche, unsagbar schöne Zeit in la Ticla erlebt.
Für Andi und Privot ging´s nach diesen ersten aufregenden Wochen weiter nach Rio Nexpa, wo sie das nächste Wunder erwartete. 3 Wochen lang feuerte der perfekte, endlos lange Pointbreak mit nur wenig Leuten im Wasser. Jeden (!) Tag zwischen kopfhoch und ganz viel mehr. Eine gemütliche Hütte am Strand (Chicho´s Place), leckeres Essen und viel Zeit in der Hängematte, und sonst? Surfen, Essen, Surfen, Schlafen, Surfen..

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Ganz vielen Dank für diese spannenden Eindrücke und Fotos, Andi!!!

Hier gibt es mehr Infos zu dem passionierten Surf- und Buch-Autor Andreas Brendt, der in seinem spannenden Buch „Boarderlines“ von seinen bewegenden Abenteuer- und Surf-Erlebnissen aus über 10 Jahren des Abenteurer-Daseins erzählt..!

 

Vielfältige Bilder von der Surf- und Abenteuer-Reise nach Mexiko:

 

Warst Du selbst einmal in Mexiko auf Reisen? Oder kannst Du weitere tolle Zielen zum Surfen empfehlen?

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